Schreibstipendium: Künstlerwohnung Soltau
in der zweiten Woche:
Intensiv gearbeitet. Ein Kapitel mit dem Titel ›Veruntreuende Unterschlagung‹ ist entstanden. In einem Kapitel sehnt sich ein Milliardär an seinem Lebensende nach Brot, gebacken aus Mehl, das in der Stadtmannschen Mühle gemahlen wurde. Ein Gang über die verschneite Heide, Gedanken über die Sprache, die die eigentliche Heimat ist. ›Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.‹
Aber auch Erkundung eines Flecken. »Im Ort : Fachwerk schwarz und rot; ( also jetzt systematisch : ich, vom Regen geköpert ); mit leise sprudelnden Dächern : an manchen hingen Blechschlangen herunter, bogen mühsam den Rachen ab, und erbrachen, stoßweise, unaufhörlich.« Nicht zuletzt: Suchen einer Immobilie.

»(I Augenblick lang – beim Beschauen der Weite + der grauen Wolken – ein Glüxgefühl, wie nur vor 25 Jahren in der Jugend! Rarster Augenblick!) «
Arno Schmidt, Tagebücher, 1959

Nummer 31 : Die Giebelwand mit braunen Brettern verkleidet ; Längsfront rechtwinkliges Fachwerk, mit stumpf=weinrot=übermalten Ziegeln ausgefüllt. Im Vorgarten die Eiche (50 Zentimeter Durchmesser) ; 2 Fliederbäumchen. Alter Lattenzaun. Eingangstunnel von wildem Spalierwein. 4 Fenster. (Hart daneben, schon im Nachbargrundstück, ein eigentümlich=langer, schmaler, zweistöckiger, fast schwarzer Holzschuppen. – – Erst nochmal n Stück den Feldweg nach Norden ).
Arno Schmidt, Das steinerne Herz

Gesicht aus Kartoffelschalen : ihr grauer vielzweigiger Ast ergriff ne Büchse Milch; der Lochmund blies 4 schwarze Silbenplättchen : ‚ ‚ ‚ ‚ : ( also zahlen ; in die zerfressene Rothaut des Ladentisches ). – » Och : däi wohnt an‘ tummern Enn ! « ( Wird der Flecken also eingeteilt in das ‹Dümmere Ende› und das ‹Bessere Ende› ; an und für sich interessant genug; auch die strähnige Stimme; aber so kriegt man’s noch nich raus. – : Friseure ? – Gastwirte ? ? – – )
Arno Schmidt, Das steinerne Herz


Bildmontage und Grundriß: khm
»Freilich, wenn man Geld hätte …… Ich wüßte es jetzt schon richtig anzuwenden: ein winziges Häuschen in der Heide (achttausend höchstens; nicht wie diese Bausparkassen, die mit Zwanzigtausend um sich werfen, als wär’s ein bloßer Silbenfall).«
Arno Schmidt, Schulausflug, 1957
»Die entlegensten Orte, in denen alle anderen Berufe kaum Arbeitsmöglichkeiten finden, sind für mich gerade die idealen; denn ich benötige zum freien Schaffen nur möglichste Ruhe.«
Arno Schmidt, Brief, 1950
»Ein kleines Hüttchen in der Heide, riesen Zaun drum rum und dann nie mehr raus oder einen Menschen sehen! – Das Ideal.«
Arno Schmidt, Tagebücher, 1955
