Schreibstipendium: Künstlerwohnung Soltau
in der dritten Woche:
Intensiv weitergearbeitet. Es sind mehrere Kapitel entstanden, in denen Wolf König, der Straßenköter im Ruhrgebiet, erwägt, sich in die Einsamkeit der Heide zurückzuziehen. Weite Gänge durch Heide. Fotografiert. Fotos geordnet und nachbearbeitet.

Gänge über die Heide – »Bergländer liebe ich nicht : nicht den breiigen Dialekt ihrer Bewohner, nicht die zahllos gewölbte Erde, Bodenbarock. Meine Landschaft muß eben sein, flach, meilenweit, verheidet, Wald, Wiese, Nebel, schweigsam.«
Arno Schmidt, Aus dem Leben eines Fauns, 1953
Aber auch: »Die Haide riecht nach Menschenblut / Und riecht nach Todeschweiß, / Und blutig ist des Baches Flut, / Und geht so träg und leis …«
Hermann Löns, 1912

Besuch des Deutschen Panzermuseums Munster
Das Museum will »als differenziert arbeitendes Haus allen Menschen inhaltliche Anknüpfungspunkte bieten – vom Kindergartenkind bis zum Weltkriegsveteranen. Das Museum richtet seine Ausstellung daher bewusst nicht an definierte Zielgruppen, sondern versteht sich explizit als ›Museum für alle‹. … Das DPM ist kein Antikriegsmuseum. Herabwürdigung militärischer Werte und Praktiken haben ebenso wenig Platz wie die Propagierung von Pazifismus.«
aus der Selbstdarstellung des Museums
»… die Menschen sind nie lästiger, als wenn sie Soldaten spielen.«
Arno Schmidt, Aus dem Leben eines Fauns

Auch am Schauerfeld

Das erste Buch von ›Zettel’s Traum‹ trägt den Titel ›Das Schauerfeld oder die Sprache von Tsalal‹. Das im Titel erwähnte Schauerfeld, auf dem das erste Buch überwiegend spielt, ist zum einen eine Anspielung auf Fouqués Erzählung ›Das Schauerfeld‹, zum anderen auf ein reales, langgestrecktes Flustück, das rund zwei Kilometer außerhalb von Bargfeld liegt.



Am 17. Februar 1966 erklärte Schmidt gegenüber dem Finanzamt Celle:
Es handelt sich dabei um einen völlig unwirtschaftlichen Streifen Ödland von ca 9 m Breite und fast 500 m Länge, bestanden mit Heidekraut, Birken und Kiefern. Also genauer: einen langen Weg, mitten in Wiesenstille hinein. Ich plane, mir den Streifen als Schreib=Refugium einzurichten, z.B. für Zeiten landwirtschaftlicher Feldbestellungshochkonjunktur und dergleichen.







»Hab’Ich den D —Zug, von Eschede, rumpln hör’n. – ( ? ) – : Nu ›Eintrübunc‹.«; (Vorkeime v Wolckn; Windwebm. ) : »Was willsDú nehm’ Fränzel ? : ’s DopplGlas ? Oder die YASHIKA ?«. / (Sie griff stumm. Und der LederRiem’m teilde. (›Das ließ Ihr schön zu den dunkelblauen Augen‹. (Und dem Pleas’see—Rock; waid genoug für Zweie. ))) / ( ? – ) : »Ganz—winzij’n Moment nur . . . (: dreh langsam, 1 Mal, den Kopf in die Wunder einer anderen AtmoSfäre . . . ( ? ) – : nu, ne Sonne von GoldPapier, mit roth’n Bakkn et—caetera ? )) – : verfolg ma das WasserlinsnBlättchin, Franziska—ja ? – ( ? ) – : Ganz—recht; (Ch kuck auf die Uhr). – «; (und knien; am WegeGrabm, zu Anfang des Schauerfeld’s) : »Ch wollt die StrömungsGeschwindichkeit ma wissn : Wir habm Zeit, individuell zu sein, gelt Fränzi ?«
Arno Schmidt, ZETTEL’S TRAUM, erste Text-Seite
